Ein Laptop, fünf Bücher und ich gefangen in der Bibliothek. Im Rücken Alfred Stieglitz und Keramik vom Niederhein, denn zwischen Goethe und Grass wollen schon andere denken. Die Klimaanlage rauscht gegen Sonnenseitenfenster und irgendwo quietschen sich Textmarker ins Papier. Dann schreibe ich von performativer Weiblichkeit und will nicht wissen, was das ist und lasse die Gedanken tanzen, nach Mexiko und nie mehr zurück. Vielleicht, denke ich, bin ich irgendwann letztes Jahr plötzlich sehr unglücklich geworden. Noch eine rauchen, noch mal aufs Klo und den Kopf mit Elend bevölkern. Und war doch erst neulich bei diesem Typen, dem ich gesagt habe: „Also, wissen Sie. So ist das.“ Dafür hat er mir einen Schein mit attestierter Traurigkeit in die Hand gedrückt und zehn Euro abkassiert, was einem die Welt ja auch nicht schöner macht. Aber man will doch keinen beleidigen, der denkt, eine Seele gerettet zu haben. Da verbietet es letztlich der Anstand, so jemandem seinen Wisch in die Backen zu hauen. Überhaupt: eine Unart, das ganze Leben bürokratisch zu verwalten, mit gesetzlich geregelter Trauerzeit, befristet bis dann und dann. Weil Menschsein ja eine Privatangelegenheit ist und in höchstem Maße unprofessionell. Aber man ist doch nunmal einer.

