Jeder Friedhofsbesuch in K. bezeugt, dass der locus terribilis keine Erfindung der Literatur ist.
Hier wird niemand über 60, denn wir sind ein Dorf, das vor dem Durchschnitt schlapp macht, das liegt an der Witterung, das macht der Föhn. Und still ist es an Menschen, denn sie meiden den Lärm der Toten, denn die brüllen, die brüllen durch Wildwuchsefeu und Nelkenfäule und Splitterlaternen und Anonymgestein, die brüllen, denn man hat sie vergessen. Und ich stehe am Grab meiner schönen Mutter mit nichts drauf als schwarzer Erde und will wissen, wie das aussieht, wenn man vergessen worden ist, so ganz ohne Haut und Leben. Und dann kommen zwei getaumelt wie George Romero Filme und ich hab’s mit der Angst zu tun, denn ich mache mich verdächtig wie ich stehe und atme. Und niemand wartet auf mich daheim. Und niemand nimmt meine Hand. Und niemand sagt, dass ich ihm gehöre. Wie kommt es, dass ich mich plötzlich so einsam fühle?

