Dass eine solch vortreffliche Zucht von Existenzmöglichkeiten selbstverständlich und zuvörderst akribischer Pflege und Instandhaltung bedürfe, hätten die Leute nie gesehen. Man habe ihn überhaupt immer für einen ausgemachten Sonderling gehalten, weil er schon als Student - “während der großen Krise war das” - der Zucht von Existenzformen den Rücken gekehrt habe und danach auch keiner Vereinigung mehr beigetreten sei. Dass die Zukunft in den Möglichkeiten läge, darin habe er sich - das wisse er heute - getäuscht. Die Leute hielten, “weil es Tradition ist”, an ihren Formen fest. Umsatz würde er mit seinen Möglichkeiten daher kaum machen, aber sie seien ja trotzdem hübsch anzusehen. “Sehen Sie selbst.” Und ich sehe in den Karton, in dem es linker Hand zappelt, mittig zuckt und rechter Hand ruhig ist. “Ooooh”, sage ich und “Uiiii”. Und: “Außerordentlich!”
“Die meisten Leute haben ja Angst vor meinen Möglichkeiten,” sagt er. “Das Ordnungsamt geht ein und aus bei mir, Sie können sich das gar nicht vorstellen. Bei mir ginge es zu wie im Zoo und so fort und man solle das Halten von Möglichkeiten doch endlich einmal ganz und gar verbieten. Und weiterhin sei das ja Qualzucht, die Existenzen immer ganz und gar im Stadium der Möglichkeiten zu halten und überhaupt sei ich mit meinen Möglichkeiten ganz und gar wider die Natur. Dabei, Sie sehen ja, verhalten sie sich bei erfahrenen Züchtern wie mir durch und durch sittlich und leiden - sehen Sie doch! - tun sie - ich bitte Sie! - auch nicht.”
Allein würde er sie ungern abgeben, Möglichkeiten seien “ganz und gar” an ihr Rudel gebunden. “Für den Anfang aber, kann ich Ihnen eine von den scheuen auch einzeln anvertrauen, die gehen - erfahrungsgemäß - sowieso nach zwei, drei Tagen ein, während die zappelnden - ich sage Ihnen! - eine Verantwortung für ein halbes Leben oder mehr bedeuten.”
Ich verließ sein Haus während der Dämmerung, in der Hand ein Kästchen mit Löchern ringsherum und meiner, “Ihrer ersten ganz und gar eigenen” Möglichkeit darin.

