Das Ärgerliche am Leben ist ja, dass man diesen permanenten Wiederholungen ausgesetzt wird. Morgens aufwachen und das Herz rumpelt durch die Rippen, ein enttäuschendes Toilettenintermezzo und diese Überlegungen, ob man zum Frühstück lieber ein halbes Glas Kapern oder Butter mit Zucker fressen soll. Dann wird man melancholisch und entscheidet sich für einen uralten Rotkäppchen halbtrocken, was eine Ausnahme ist und eine dumme Idee obendrein, weil man doch nichts verträgt, was wiederum zu weiteren dummen Ideen führt und so fort. Zwei Stunden später sitzt man plötzlich unter diesem riesigen Schild Psychologische Studienberatung und weiß dann auch, wie sich Männer beim Verlassen eines Bordells fühlen. Und ständig muss man die Beine einziehen, weil irgendwelche Akten durch die Gegend spaziert werden, von Leuten, die so angestrengt sind, nicht auf die traurigen Gestalten unter dem Riesenschild zu gucken, dass man ihre Stielaugen fast auf dem Schoß liegen hat. Drinnen kann man sich dann kaum noch halten vor Lachen, wegen Rotkäppchen und weil die Frau auf Birkenstock läuft und Bonbons anbietet und überhaupt ein Klischee ist. “Wichtig ist vor allem, dass Sie atmen, atmen Sie und schieben Sie den ganzen Stress weg. Kommen Sie, wir wollen mal zusammen atmen.” Und dann sitze ich da und atme als würde ich in den nächsten Minuten Achtlinge auswerfen und die Frau atmet auch, ich glaube, das trainiert sie immer mit ihrem Mann am Abend. Atmen ist also der Schlüssel zum Seelenheil. Ich werde ab jetzt bestimmt mal in der ein oder anderen Situation atmen.

