“Claudia kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht.”
— Karl Lagerfeld

“Claudia kennt die auch nicht. Die war nie in Paris, die kennen wir nicht.”
— Karl Lagerfeld
Ich würde gern an einer Straße mit eindrucksvollem Namen wohnen. Einem, der auf Visitenkarten etwas her macht. Lindwurmstraße, Glücksstraße, Katzenstraße. Ich glaube, sowas objektiviert sich im Gemüt. Irgendwo in der Stadt meuchelt die Schweinegrippe. Das macht nichts. Ich habe sowieso zu tun.
Beim Aufwachen so in Nietzschelaune gekommen, dass ich mich statt ins Seminar vor die Bachelor-Arbeit gesetzt habe. Nun ziehe ich mich sätzeweise an der Unfähigkeit mich auszudrücken entlang. Regenwolken drücken vom Himmel bis auf den Kopf und ich sollte ein paar Bücher zurück in die Obhut der Bibliothek geben.
Ich war eines dieser glücklichen Kinder, die am Geburtstag das 10-Adventures-Paket von LucasArts auspacken durften. Maniac Mansion hat bei mir allerdings paranoide Schübe ausgelöst, wenn die Frau in der Küche mich einfangen wollte. Ich fürchte, dass ich dieses Spiel auch heute nervlich nicht durchstehen würde. Das obige Video ist nichtsdestotrotz mehr als preiswürdig; Justus, Bob und Peter verleihen dem Ganzen eine beruhigende Note. Hier geht’s zum zweiten Teil.
In knapp zwei Monaten muss meine Bachelor-Arbeit zur Abgabe bereit liegen und: Nein, bisher habe ich mich nicht überarbeitet. Jedoch haben sich gute 20 Sekundärwälzer über den Schlafzimmerboden verteilt, sodass ich mir den Weg ins Bett mittels Spagatsprüngen bahnen muss. Die Decke bis zum Kinn gezogen, kommen mir dann im Halbschlaf Worte wie Totschlagsinstrumentensammlung oder Tanzabendbegeisterungserektion und ich habe das Gefühl, dass Thomas Bernhard an meinen Synapsen zieht.
Das Wochenende habe ich in den Armen des Freundes verbracht, manchmal auch außerhalb. Liebe verschlingt erschreckend viel Zeit. Man hat gar nicht so viel, wie geliebt werden will.
Beim Lesen geht es mir hauptsächlich um das gute Gefühl, das mit jeder umgeblätterten Seite wächst. Lesegenuss, das ist nicht: nach einem angenehmen Kapitel das Buch wie ein Liebhaber auf der Shakespeare-Bühne ans Herz zu drücken, sondern den Finger zwischen die Seiten zu klemmen und am Buchschnitt zu prüfen, was man schon geleistet hat.
“Das Doppelkindchen tritt nur äußerst selten in dieser Welt zutage. Wenn nämlich die Mutter ein absolutes Kind im Gesicht und im Geist ist, so passiert bei passender Paarung die Zeugung eines Babys, dessen äußeres und inneres ideales kindliches Wesen nochmals potenziert wird. Die Kindermütter bringen meistens Mädchen zur Welt, Knaben sind unwahrscheinlich. Doktor O. sagt, es hänge mit dem stärkeren Maiglöckchengeruch der Eizellen zusammen. Diese Mädchen sind die potentiellen Verführerinnen, werden aber oft nicht älter als 25 Jahre, weil sie an Selbstverführung zugrunde gehen.”
— Julia Zange: Die Anstalt der besseren Mädchen
Ich wünsche mir die Gegenwart grotesk aneinandergewachsener Häuser, die aus dem Nebel getaucht nach großelterlichem Keller riechen.
Aspirin Complex schmeckt wie der flüssige Tod. Tatsächlich hatte ich im Traum zwischen Simpsons und Tagesschau das Gefühl, dass Bayer mir nach dem Leben trachtet. In den Wachphasen konnte ich dann sechzig Seiten bachelorarbeitsrelevante Thomas-Bernhard-Texte lesen. Nicht dass man sich danach besser fühlen würde.